Kurzbeschreibung

 

Auf der Suche nach alternativen Möglichkeiten außerklinischer Pflege im Wohnbereich entstand 1983 die Krankenwohnung.

Die Krankenwohnung ist eine Einrichtung der Häuslichen Krankenpflege; sie soll die im Wohngebiet angebotene Häusliche Krankenpflege ergänzen. Sie ist eine Wohnung inmitten eines umgrenzten Wohngebietes (ca. 10 000 Einwohner) in Anbindung an eine Sozialstation. In ihr werden sechs bis neun Kranke und Hilfebedürftige für einen Zeitraum von bis zu drei Wochen betreut. Während dieser Zeit sollen Einschnitte und Veränderungen im sozialen Umfeld des Patienten so gering wie möglich gehalten werden, um z. B. Kontakte zur eigenen Wohnung und die Rückkehr dorthin zu erleichtern.

Die im Wohnalltag gewohnten Hilfen sollen dem Bewohner während seines Aufenthaltes in der Krankenwohnung weiterhin zur Verfügung stehen, wie: behandelnder Arzt ("Hausarzt"), Hauskrankenschwester, Krankengymnastin oder andere Therapeuten, aber auch Friseur, Fußpflege, Apotheke, vor allem die Angehörigen, Nachbarn usw.

Die Krankenwohnung / Kurzzeitpflege hat zum Ziel:

  • nach kurzem Krankenhausaufenthalt die Heilung zu vervollständigen,
  • nach langem Krankenhausaufenthalt den Wohnalltag wieder einzuüben ("Alltagsrehabilitation"),
  • bei akuter Gesundheitsverschlechterung ohne Krankenhausindikation Kranke pflegerisch rund um die Uhr zu betreuen ("Intensivstation der häuslichen Krankenpflege") und auch Sterbenden Beistand zu geben,
  • pflegende Angehörige zeitweise zu entlasten und damit ihre Pflegebereitschaft aufrecht zu erhalten,
  • pflegende Angehörige zu beraten und anzuleiten,
  • die Häusliche Krankenpflege und die medizinische Betreuung in bezug auf Diagnose, Therapie und Rehabilitation effektiver zu machen sowohl durch intensive kontinuierliche Beobachtung der Patienten als auch durch präventive Hilfen,
  • Patienten und deren Angehörige bei dessen Lebensführung zu beraten.

Die Krankenwohnung / Kurzzeitpflege soll unterstützen:

  • bei Bedarf die Zeit im Anschluss an eine stationäre (Krankenhaus-) Behandlung bis zur Erbringung der häuslichen Pflege überbrücken (Krankenhaus-Anschlusspflege) oder
  • eine vorübergehende stationäre Pflege in einer Krisensituation ermöglichen, zum Beispiel  bei Urlaub oder Krankheit des pflegenden Angehörigen
  • bei seelischer Überforderung der Pflegeperson
  • bei vorübergehender Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Pflegebedürftigen

Die Krankenwohnung trägt durch das Aufzeigen von Versorgungslücken dazu bei, das Leistungsangebot der Häuslichen Krankenpflege zu erweitern, z. B. um Tagespflege, Tagesstätte, stationären oder Fahrbaren Mittagstisch.

Maßstab für die Gestaltung der Krankenwohnung, ihres Betriebes und ihrer Organisation ist das Wohnen (Privatheit und Eigenständigkeit des Bewohners) und die qualifizierte Häusliche Krankenpflege (professionelle Selbständigkeit der Pflegekräfte).

Die Finanzierung der Leistungen orientiert sich an der Häuslichen Krankenpflege und ihrem fallspezifischen Leistungsumfang. Die Bewohner zahlen die Kosten für Unterkunft und Verpflegung ("Hotelkosten").